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«Biel ist meine Heimat geworden»

erstellt am 04 Juni 2015 durch tm Rüschli 1910. Bilder: zvgRüschli 1910. Bilder: zvgRüschli 2015Rüschli 2015Nidaugasse 1910. Bilder: zvgNidaugasse 1910. Bilder: zvgBielerhof 1995Bielerhof 1995Bielerhof 1900. Bilder: zvgBielerhof 1900. Bilder: zvgBielerhof 1995Bielerhof 1995Bielerhof 2015Bielerhof 2015Bieler Bahnhofbuffet. Bilder: zvgBieler Bahnhofbuffet. Bilder: zvgBieler Bahnhofbuffet. Bilder: zvgBieler Bahnhofbuffet. Bilder: zvg

Bieler Standpunkte - mit BILDERGALERIE der beschriebenen Objekte

TEXT: WALTER REY

Der Bieler Architekt und Raumplaner Walter Rey macht einen städtebaulichen Rundgang durch Biel und durch sein Leben.

Im Jahr 1966 kam ich für die zweitägige Tech-Aufnahmeprüfung von Basel nach Biel. Übernachtung im Hotel Bären, Nidaugasse. Mit Glück bestand ich die Tests und konnte so 1967 das Studium in der Architekturabteilung in Biel beginnen.

Biel hat mir von der ersten Stunde an sehr gut gefallen und mich beeindruckt. Die Studentenzeit war erlebnisreich. Während dem Studium wurde ich Vater, gründete eine Familie – und die Rückkehr nach Basel war kein Thema mehr.

Zwei Jahre Arbeit in Biel. Im Architekturbüro Tschumi konnte ich 1970 bis 1972 interessante Projekte bearbeiten: Kunsthauskeller, Seminar Biel, Gewerbeschule Biel etc. Es zog uns aber in die Welt hinaus. Wir verbrachten zwei Jahre in Yaounde (Kamerun) in der Entwicklungshilfe. Nach Afrika war das Ziel keine Frage mehr: Natürlich nach Biel/Bienne.

Biel ist eine wunderbare, lebendige Stadt mit einem einzigartigen Umraum (Seen, Rebdörfer, Jura). Eine Stadt mit einer tollen Lebensqualität. Peter Bichsel sagt: «Heimat ist dort, wo man sich ärgert.» Es ist so. In Biel ärgere ich mich… ab und zu.

 

Als ich nach Biel kam, war Biel städtebaulich und architektonisch eine Interessante Stadt mit eindrücklichen Bauten. Die Struktur des Städtebaues ist noch vorhanden, aber die Architektur hat extreme Verluste zu verzeichnen. Stadtprägende Bauten aus der Jahrhundertwende wurden reihenweise abgebrochen. Was kam Neues? Architektonisch nichtssagende Bauten, Spekulanten- und Glasaquariumbauten.

Da die heutige Architektur nur eine Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren hat, entstehen Bauten mit wenig Qualität. Sie haben nur kurze Zeit zu dienen und müssen Rendite abwerfen. Zum Glück gab es Leute, Parteien und Organisationen, die sich gegen den Abbruch wehrten. Das Rockhall würde heute nicht mehr stehen! Leider wurden aber in Biel sehr viele wertvolle Bauten abgebrochen, um die man trauern muss. Städtebaulich-architektonisch schwere Verluste sind:

- Hotel Rüschli

- ehem. Bahnhofplatz, heute Guisanplatz

- Hotel Bielerhof

- Warenhaus Meyer’s Söhne

Positive neue Beispiele gibt es leider sehr wenig, oder? Neuzeitlich hervorragende Bauten wie das schützenswerte Gymnasium am See von Max Schlup fielen der Lebensdauer-Guillotine zum Opfer. Ein bedauernswerter Verlust.

Gesellschaftliche Treffpunkte – Restaurants – gehen leider auch verloren. Zum Glück haben wir noch Odeon, Cecil, das St. Gervais etc. Das Bahnhof-Restaurant fiel dem Veränderungsdruck zum Opfer.

Was für ein schöner Treffpunkt war das doch! Das heutige McDonald's mit einer kaum zugänglichen Apotheke ist kein Ruhmesblatt. Zum Glück wurde die Neugestaltung des Bahnhofplatzes abgelehnt. Wieder wäre ein schützenswertes Gebäude verschwunden – und dies in einem Ensemble von internationaler Bedeutung!

Namensgebungen können verwundern. Zum Beispiel der Jean-Jacques-Rousseau-Platz: Die schlimmste Kreuzung in Biel. Nur das Grün der Ampel zeigt zurück zur Natur. Daneben die Residenz Au Lac: Weit und Breit kein See – nur die Lackfassade.

Und Neues? Hoffentlich erfüllen sich die hohen Erwartungen mit dem riesigen Stadion im Bözingenfeld. Schade, dass das Gurzelenstadion und der Gurzelenplatz (Zirkus etc.) auch noch wohnüberbaut werden. Ein städtebaulicher Verlust.

Aber all dieser «Ärger» verhindert nicht, dass es sich in Biel/Bienne sehr gut leben lässt. Biel ist meine Heimat geworden.

WALTER REY


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Kommentare

Biennensis erstellt am 18 November 2018

Biel eine wunderbare Stadt? Das war einmal, vor langer Zeit …

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